Cupertino (dapd). Erstmals seit siebzehn Jahren denkt Apple (NasdaqGS: AAPL - Nachrichten) wieder über eine Dividendenausschüttung nach. Vorstandsvorsitzender Tim Cook sagte am Donnerstag bei der Jahreshauptversammlung im kalifornischem Cupertino, der Konzern habe mehr Geld als für die Leitung der Firma nötig. Der weltweit wertvollste Konzern sitzt auf Reserven von fast 100 Milliarden Dollar.
Cooks Vorgänger Steve Jobs hatte eine Wiedereinführung der Dividendenzahlungen stets abgelehnt, seit diese 1995 aus Geldnöten eingestellt worden waren. Nun sagte Cook, der Vorstand und das Management denken "sehr intensiv" über die Ausschüttung von Dividenden an ihre Aktionäre nach. "Dies ist kein Fall, bei dem 100 Prozent der Leute damit übereinstimmen werden, was wir tun", fügte Cook hinzu. Er deutete jedoch an, dass bald eine Entscheidung diesbezüglich fallen werde.
Die Frage, wie mit den Barreserven von 98 Milliarden Dollar (etwa 74 Milliarden Euro) umzugehen sei, ist heikel. Der verstorbene Apple-Mitgründer Jobs hatte jeden Vorstoß, die Quartalsdividende wieder einzuführen, rigoros abgelehnt. Er hortete selbst dann noch Geld, als die Reserven des Unternehmens in den letzten zehn Jahren seines Lebens in die Höhe schnellten. Zu tief saß bei ihm die Erinnerung an die Zeiten, als das Geld bei Apple knapp war.
1997 rettete Microsoft (NasdaqGS: MSFT - Nachrichten) den Rivalen mit einer Geldspritze in Höhe von 150 Millionen Dollar. Damals wurde Jobs zum Vorstandsvorsitzenden von Apple ernannt - eine Entscheidung, die sich als die cleverste in der Unternehmensgeschichte erwies.
Nachdem Cook im August vergangenen Jahres die Nachfolge von Jobs antrat, der am 5. Oktober nach einem langen Krebsleiden starb, scheint er einen Teil des Geldes an die Aktionäre abgeben zu wollen. "Offen gesagt, ist es mehr als wir brauchen, um das Unternehmen zu führen", sagte Cook am Donnerstag. Es war sein bislang deutlichster Hinweis, dass eine Wiedereinführung der Dividendenausschüttung erwogen wird.
Apple hat einen Marktwert von 480 Milliarden Dollar, mehr als Microsoft und Google (NasdaqGS: GOOG - Nachrichten) zusammen. Am Donnerstag legte die Apple-Aktie um 3,35 Dollar zu und schloss bei 516,39 Dollar. Der hohe Kurs entfachte Spekulationen, ob Apple einen Aktiensplit plane, um die Aktie günstiger für potenzielle Käufer zu machen. Seit dem letzten Aktiensplit vor sieben Jahren haben die Aktien um das elffache zugelegt. Die jüngste Aktionärsversammlung war die erste seit Jobs Tod am 5. Oktober vergangenen Jahres.
Weitere Klage gegen Apple im Streit um den Namen iPad
Während des Treffens versammelten sich einige Demonstranten vor der Apple-Zentrale, um gegen die Arbeitsbedingungen in chinesischen und taiwanischen Partnerfabriken des iPhone- und iPad-Herstellers zu protestieren. Sie trugen Plakate bei sich mit Aufschriften wie "Stoppt Ausbeutung" und "Ich will ein ethisch einwandfreies Telefon".
Im Streit um die Rechte am Markennamen iPad in China droht Apple ein weiteres Verfahren - diesmal vor einem Gericht in Kalifornien. Das chinesische Elektronikunternehmen Proview reichte bei einem Kammergericht in Santa Clara Klage gegen Apple ein, wie eine Sprecherin am Freitag mitteilte. Am Donnerstag hatte ein Gericht in Shanghai den Fall mit der Begründung abgewiesen, es sei noch ein Verfahren vor einem höheren Gericht anhängig. So will sich am 29. Februar ein Gericht in Guangdong mit dem Fall befassen. Die beiden Unternehmen streiten darüber, ob Proview die Rechte an der Marke in China 2009 an Apple verkauft hat.
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