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    Anleger proben den Ausstieg

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    Es ist ein Spiel ohne Grenzen. Der Einsatz wird ständig erhöht. Volles Risiko. Am Pokertisch sitzen die Herren über Dollar, Euro und Yen: Ben Bernanke, Mario Draghi, Haruhiko Kuroda. Die Notenbankchefs spielen mit Billionen.

    Nur was passiert, wenn einer aussteigt? Wenn sich alles als großer Bluff herausstellt? Davor zittern weltweit die Anleger. Erstmals erhalten sie nun eine kleine Vorahnung, was ihnen droht, wenn die Notenbanken ihr Billionenspiel eines Tages beenden. An den Börsen geht die Angst um.

    In Tokio sackte der Nikkei um mehr als sieben Prozent ab, nachdem er monatelang nur gestiegen war. In Frankfurt fiel der Dax (Xetra: ^GDAXI - Nachrichten) zeitweise um fast drei Prozent. Die US-Börsen waren gestern Abend ins Minus gerutscht, nachdem es zunächst nach einem guten Handelstag ausgesehen hatte. Am Donnerstag fiel der S&P um ein Prozent.

    Was war passiert: Gestern war wieder einmal Bernanke am Zug. Der Chef der US-Notenbank sollte vor dem Kongress erklären, wie lange er gedenke, weiter Geld zu drucken. So lange es nötig ist, lautete seine Antwort, werde die Fed weiter Wertpapiere in großem Stil kaufen. Eine Bemerkung ließ allerdings aufhorchen: Das Tempo könne "auf einer der nächsten Sitzungen" gedrosselt werden, falls sich die Beschäftigungslage nachhaltig aufhelle.

    Davon sind die USA noch ein gutes Stück entfernt. Doch allein die Andeutung reichte aus, um für Unruhe zu sorgen. Das zeigt einmal mehr, wie fragil die Finanzmärkte nach wie vor sind, wie abhängig die Anleger vom Geld der Notenbanken sind.

    Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise haben die Notenbanken, allen voran die Fed, angefangen, hoch zu pokern. Sie haben die Welt mit Geld überflutet. Allein in den USA, Japan, Großbritannien und der Euro-Zone hat sich die Geldmenge in der Finanzkrise um mehr als fünf Billionen Dollar erhöht - und damit verdoppelt. Noch einmal 2,5 Billionen Dollar sind von der Federal Reserve und der Bank of Japan bis Ende 2014 schon fest eingeplant.

    Nach Berechnungen der Bank MM Warburg liegt der Mittelwert der Leitzinsen von 62 Ländern derzeit bei 2,72 Prozent. Wählt man das Jahr 2000 als Referenz, so beträgt der Durchschnitt der Leitzinsen in den vergangenen 14 Jahren gut fünf Prozent; erweitert man den Vergleichszeitraum auf das Jahr 1980, so liegt der Durchschnitt der Leitzinsen sogar bei fast 11 Prozent. Hinzu kommen weitere ungewöhnliche Maßnahmen wie der Ankauf von Wertpapieren.

    Niedrige Leitzinsen und günstige Kredite sollen Unternehmen motivieren, mehr zu riskieren. Davon ist bislang nicht viel zu sehen. Das billige Geld ist an den Finanzmärkten versickert - und hat die Kurse von Aktien und Anleihen getrieben.

    Die Illusion eines Aufschwungs

    "Wie am Tropf hängen die Börsen dieser Welt nicht nur an der US-Notenbank, sondern auch an der Bank of Japan, der Europäischen Zentralbank und der Bank of England", sagt Torsten Gellert, Deutschlandchef des Devisenbrokers FXCM. "Versorgt werden sie mit billigem Geld, welches den Weg (Other OTC: WEGZY - Nachrichten) aus Mangel an Alternativen direkt in die Aktien findet, statt den schwierigeren, aber durchaus langfristig besseren Weg über die Realwirtschaft zu gehen."

    Das ließ sich mustergültig in Japan beobachten. Die japanische Notenbank hatte sich lange zurückgehalten, legte dann aber, im vergangenen Dezember, umso exzessiver nach. Seit Shinzo Abe zum zweiten Mal das Amt des Premiers übernahm, versucht Japan einen Aufschwung mit der Brechstange herbeizuführen. Das hochverschuldete Land macht seitdem ohne Rücksicht noch mehr Schulden. Zum neuen Kurs gehören außerdem ein Inflationsziel von zwei Prozent anstelle des jahrelangen Preisverfalls, Nullzinsen, eine Verdoppelung der im Umlauf befindlichen Geldmenge bis 2015 und der Kauf von Staatsanleihen über umgerechnet 410 Milliarden Euro Jahr für Jahr.

    An der Börse in Tokio war das jahrelange Siechtum des Nikkei mit einem Mal vorbei. Der japanische Leitindex stieg seit Dezember um mehr als 70 Prozent. Der Einbruch am heutigen Donnerstag zeigt, wie schnell der Zauber wieder vorbei sein könnte. Die Illusion eines Aufschwungs, mehr nicht.

    "Genau da liegt die Gefahr des aktuellen Börsenaufschwungs. Ziehen die Notenbanken zu früh den Stecker, steht eines für mich ganz klar fest: Die Party an den Börsen ist vorbei", sagt Gellert von FXCM (NYSE: FXCM - Nachrichten) . Noch sei das allerdings kein Thema. Was heute passiert, sei noch nicht der großer Ausverkauf, sondern "nur ein Sturm im Wasserglas".

    Nach der monatelangen Rally ist eine Korrektur nicht verwunderlich. Manchem kommt sie ganz recht: Zeit, Gewinne einzufahren. "Die Aktienkurse haben in diesem schon so viel gewonnen. Im Großen und Ganzen suchen alle nur nach einer Ausrede für Verkäufe", sagte John Canally, Investment-Stratege bei LPL Financial (NasdaqGS: LPLA - Nachrichten) . Mancher wird sich dabei denken: Besser jetzt aussteigen, bevor die Notenbanken aussteigen.

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