Blaubeuren (dapd). Die Krise in der Solarbranche bringt nun auch den Anlagenbauer Centrotherm in ernste Finanznöte. Um seinen Sanierungskurs fortsetzen zu können, stellte das Unternehmen einen Antrag auf Einleitung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens, wie die Firma mit Sitz in Blaubeuren am Mittwoch mitteilte. Dabei handelt es sich um ein Insolvenzverfahren in Eigenregie.
500 der konzernweit 1.900 Mitarbeiter seien davon betroffen, sagte eine Unternehmenssprecherin auf dapd-Anfrage. In einer Betriebsversammlung habe die Unternehmensführung am Morgen die Mitarbeiter informiert. Dabei sei ihnen gesagt worden, dass Löhne und Gehälter zunächst gesichert seien. Falls das Gericht dem Antrag zustimmen sollte, werden die Mitarbeiter wie bei anderen Insolvenzverfahren drei Monate lang ihr Gehalt von der Arbeitsagentur ausgezahlt bekommen.
Während der drei Monate währenden Phase soll die Firma vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger weitgehend geschützt und voll handlungsfähig bleiben. "Der Geschäftsbetrieb läuft weiter wie gewohnt", sagte die Sprecherin. "Das Schutzschirmverfahren ist für uns eine einmalige Chance, uns aus eigener Kraft zu sanieren." Centrotherm hofft auf eine Entscheidung des Gerichts zu dem Antrag binnen weniger Tage.
Das Unternehmen prüfe Anpassungen beim Personal. Falls diese nötig seien, würden sie so sozialverträglich wie möglich umgesetzt. Es sei aber noch zu früh, über konkrete Stellenkürzungen zu sprechen. Verschiedene Möglichkeiten, etwa die Einführung von Kurzarbeit, würden derzeit geprüft. Einen Betriebsrat hat Centrotherm nicht.
Für die Fortentwicklung eines Sanierungskonzepts berief Centrotherm mit sofortiger Wirkung Tobias Hoefer in den Vorstand. Dieser habe mehr als 15 Jahre Erfahrung als Unternehmenssanierer und Insolvenzverwalter. Künftig soll sich Centrotherm auf seine Technikkompetenz sowie auf seine Kerngeschäftsfelder wie den Anlagenbau für den Hightech-Bereich konzentrieren. Weitere Kapazitätsanpassungen und Kostensenkungen seien geplant. Einzelheiten teilte das Unternehmen nicht mit.
Centrotherm ist einer der größten Anlagenbauer der Solarindustrie. Die Situation bei dem 1976 gegründeten Unternehmen hatte sich zuletzt immer weiter verschärft. Staatsschuldenkrise und die schlechte Branchenkonjunktur setzten dem Geschäft zu.
Bereits 2011 brach der Gewinn in der Folge deutlich ein. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging von 101,3 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 10,2 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr zurück. Im ersten Quartal 2012 betrug das Vorsteuerergebnis von Centrotherm minus 27,9 Millionen Euro. Die Aktien des im TecDAX (EUREX: FTDX.EX - Nachrichten) gelisteten Unternehmens verloren bis zum frühen Nachmittag 76 Prozent auf 0,52 Euro.
dapd





