Frankfurt/Main (ddp-hes) Die Aufsichtsratsvorsitzenden der 30 DAX (Xetra: Nachrichten) -Unternehmen in Deutschland werden im laufenden Jahr deutlich weniger verdienen als 2008. Eine von der Consultingfirma Towers Perrin am Montag in Frankfurt vorgelegte Studie nennt einen durchschnittlichen Rückgang der Bezüge um 15 Prozent. Ein Aufsichtsratschef im DAX werde 2009 im Schnitt eine Jahresvergütung von 226 000 Euro erhalten, sagte Towers-Perrin-Direktor Michael Kramarsch bei der Vorstellung der Untersuchung. Für die Zukunft prognostizierte Kramarsch wieder steigende Bezüge der Unternehmenskontrolleure.
Im vergangenen Jahr hatte Towers Perrin Vergleichseinkommen von 266 000 Euro gemeldet Die diesjährige Liste führt mit 435 600 Euro Gesamtvergütung der Siemens (Xetra: 723610 - Nachrichten) -Aufsichtsratschef Gerhard Cromme an. Schlusslicht ist mit 53 630 Euro sein Kollege Max Dietrich Kley bei Infineon (Xetra: 623100 - Nachrichten) . Basis der Towers-Perrin-Projektion sind Analystenschätzungen zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. Übertrifft die Unternehmensperformance dieses Szenario um 20 Prozent, sinke die Vergütung im Schnitt immer noch um acht Prozent, kommentierte Kramarsch. Werden die Analystenschätzungen um 20 Prozent verfehlt, werde der Rückgang 21 Prozent betragen.
Die Einkommen der führenden Aufsichtsräte in Deutschland bewegten sich «deutlich unterhalb des internationalen Niveaus», sagte Kramarsch Verglichen mit Unternehmen in den USA und Großbritannien verdienten sie etwa die Hälfte. Der jetzige Rückgang belege, dass in Deutschland nicht nur die Vergütung von Vorständen, sondern auch die der Aufsichtsräte «mit der wirtschaftlichen Entwicklung konform geht».
Mit den Ausnahmen adidas, Daimler (Xetra: 710000 - Nachrichten) und Fresenius Medical Care (Xetra: 578580 - Nachrichten) nennt die Studie wie schon in den Vorjahren als Einkommenskomponenten in den DAX-Unternehmen die Festvergütung plus variable Vergütungselemente mit Bemessungsfaktoren wie Gewinn pro Aktie, Brutto-Cashflow oder Renditegröße Unter Berücksichtigung der modifizierten Corporate-Governance-Vorschriften bezeichnete Kramarsch eine Einkommensstruktur als «ideal», wenn sie je zur Hälfte aus einer festen und einer variablen Vergütung besteht.
Nach Schätzungen von Towers Perrin sitzen Unternehmenskontrolleure in Deutschland meist in drei bis fünf Aufsichtsräten zugleich Die Arbeitnehmerseite besetze 20 Prozent ihrer Mandate mit weiblichen Aufsichtsräten, stellte Kramarsch fest, die Kapitalseite zu sechs Prozent. Zu 77 Prozent seien die Gremien mit Deutschen beschickt, obwohl 53 Prozent des Grundkapitals Deutschlands börsennotierter Unternehmen in ausländischer Investorenhand seien. «Noch immer könnten die wenigsten Sitzungen auf Englisch geführt werden», sagte Kramarsch.
Gestiegene Ansprüche an die Aufsichtsratsarbeit würden sich künftig in einer «Professionalisierung» der Vergütung niederschlagen, sagte Kramarsch voraus Die Vergütungshöhe werde auch angesichts wachsenden Risikos steigen.
Die Towers-Perrin-Studie weist im Ranking für die Plätze zwei und drei die Aufsichtsratsvorsitzenden von EON (Xetra: ENAG99 - Nachrichten) , Ulrich Hartmann (432 200 Euro), und RWE (Xetra: 703712 - Nachrichten) , Manfred Schneider (358 900 Euro), aus.
(ddp)