Bevor er zu MAN kam, war Samuelsson beim schwedischen Nutzfahrzeugkonzern Scania. Seit neun Jahren arbeitet er beim Münchner Konkurrenten, wo er es als einer der wenigen Ausländer in der deutschen Wirtschaft an die Spitze schaffte.
Seit Beginn 2005 ist Samuelsson MAN-Chef. Seitdem trieb er Schritt für Schritt einen tief greifenden Konzernumbau voran. Die MAN-Aktie legte während seiner Amtszeit kräftig zu - um 110 Prozent. Erst im Februar 2009 wurde sein Vertrag bis 2013 verlängert.
Als der jetzt 58-jährige Manager seinen Chefposten bei dem Münchner Lkw-Hersteller und Maschinenbauer antrat, hatte der Konzern noch fünf Sparten. Der gebürtige Schwede veräußerte zunächst zwei Drittel der Druckmaschinentochter Roland an Allianz Capital Partners und gab damit eine der Wurzeln des Konzerns auf.
Ende 2008 ging der Anlagenbauer Ferrostaal mehrheitlich an den Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi. Seit Kurzem firmiert MAN auch als europäische Aktiengesellschaft SE und hat einen leicht verkleinerten, europaweit mitbestimmten Aufsichtsrat.
Gleichwohl musste Samuelsson auch schwere Niederlagen seiner knapp fünfjährigen Amtszeit einstecken: Erst scheiterte er mit seinem Plan, Scania zu übernehmen, dann erschütterte eine Schmiergeldaffäre den Konzern.
Mit Samuelssons Rücktritt verliert die deutsche Industrie einen ihrer profiliertesten Manager - und zehntausende MAN-Mitarbeiter einen weitgehend beliebten Chef.
Statt in einem noblen Chefbüro arbeitete Samuelsson in der Münchner Zentrale gerne im Großraum und ging auch mal mit Kollegen in die Kantine statt zum Edel-Italiener. Unangenehme Fragen beantwortete er auch einfach mal mit einem Lächeln. Trotzdem galt er als harter Sanierer. Er trieb Produktionsverlagerungen ins Ausland voran, erhöhte die Wochenarbeitszeit im Stammwerk München und investierte in den Zukunftsmarkt China.
Mit seiner beharrlichen Art, die ihm schon den Beinamen "Sturer Elch" einbrachte, steckte er selbst die Niederlage durch die gescheiterte Scania-Übernahme weg. Nach der öffentlichen Schlammschlacht zwischen ihm und seinem Scania-Gegenspieler Leif Östling das Handtuch zu werfen, kam für ihn nicht in Frage. Der Job mache ihm Spaß und Freude, verkündete er nach dem Übernahme-Fiasko selbstbewusst. "So lange ich das Vertrauen meiner Kollegen und des Aufsichtsrates habe, und ich glaube, das habe ich, werde ich weiter machen."
Samuelsson spricht perfekt Deutsch, gewürzt mit einem skandinavischem Akzent. Trotzdem wurde er mit vielen Dingen in Deutschland nie so richtig warm. Das in Schweden übliche "Du" in der Anrede führte er lieber erst gar nicht ein. Und auch seine Urlaube verbringt der Vater zweier erwachsener Töchter lieber in der alten Heimat als in den bayerischen Alpen. Er liebe dort vor allem die Natur, sagte er einmal. "Das bleibt immer im Herz."
Beruflich dürfte eine Rückkehr nach Schweden für ihn allerdings schwierig werden. Zwar trauerten ihm ehemalige Kollegen bei Scania noch lange nach, als er nach München ging. Dass er seinen alten Arbeitgeber dann als Chef des deutschen Konkurrenten MAN aber einfach schlucken wollte, haben sie ihm übel genommen.