Lars Schlecker will die Auslandsgesellschaften der insolventen Drogeriekette in jedem Fall erhalten. "Keine Auslandstochter wird in die Insolvenz geschickt", erklärte der Sohn von Firmengründer Anton Schlecker in Wien: "Österreich ist unser bestes Land, ein Verkauf kommt nicht infrage." Die österreichische Anton Schlecker Gesellschaft sei rechtlich eigenständig und habe im Vorjahr ein "siebenstelliges positives Betriebsergebnis" erzielt. Auch die an Österreich angeschlossenen Landesgesellschaften in Polen, Belgien, Luxemburg und Italien seien profitabel und sollen daher fortgeführt werden. Das von ihm eingeleitete neue Filialkonzept sei in Österreich viel weiter fortgeschritten als in Deutschland.
Die Lage in den Nachbarländern ist somit, zumindest nach Schleckers Darstellung, viel positiver als die der deutschen Mutter. Für diese wird ein Investor gesucht, Details dazu verriet Schlecker nicht. Es gebe "laufend Gespräche". Man (Other OTC: MAGOF.PK - Nachrichten) habe sich aber keine Frist gesetzt. Voraussichtlich im August oder September soll sich Firmengründer Anton Schlecker zurückziehen. Glückt die Sanierung, sollen Lars und seine Schwester Meike das Geschäft übernehmen, bestätigte dieser. Ende Januar noch hatte Schleckers Finanzvorstand Sami Sagur angedeutet, dass das Auslandsgeschäft "zur Disposition" stünde, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. Das schloss Lars Schlecker jetzt aus. Dies sei auch mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt. Der Auftritt in Wien sollte als Beruhigung für die Kunden und Mitarbeiter im Ausland dienen. Die Drogeriekette kommt in Österreich auf 930 Filialen mit 3000 Mitarbeitern. Im Vorjahr lagen die Erlöse bei 300 Mio. Euro.
Branchenkenner indes bezweifeln die Überlebensfähigkeit von Schlecker in Österreich. Die ausländischen Gesellschaften wickeln den Einkauf und die technische Infrastruktur zum großen Teil über die deutsche Mutter ab. 2010 erzielte die Wiener Gesellschaft 8,7 Mio. Euro Gewinn. Laut Geschäftsbericht hatte sie damals offene Forderungen gegenüber verbundenen Unternehmen in der Höhe von 167 Mio. Euro - fast so hoch wie das Eigenkapital. Laut Schlecker-Vorstand Thorben Rusch sei die Österreich-Tochter im Insolvenzverfahren bei der deutschen Mutter Gläubiger. Es bestünden Forderungen von 100 Mio. Euro. Trotzdem sei der Fortbestand von Schlecker Österreich gesichert, versicherte Rusch. Der Wirtschaftsprüfer KPMG merkte jedoch im Geschäftsbericht der Österreich-Tochter für 2010 an, dass der Fortbestand der Wiener Gesellschaft von der Zukunft der deutschen Mutter abhänge, da zwischen beiden enge wirtschaftliche Verflechtungen bestehen. Laut einer Analyse des Meinungsforschungsinstituts Imas hat Schlecker in Österreich in den letzten Jahren 16 Prozent seiner Kunden verloren, in Wien sogar 59 Prozent. "Das ist von uns so gewollt", entgegnete Rusch. Schlecker wolle mit modernisierten Filialen neue Kundenschichten ansprechen. Die Rewe-Tochter Bipa liegt mit einer Reichweite von 43 Prozent auf Platz eins, gefolgt von DM mit 31 Prozent. Schlecker kommt auf 23 Prozent.





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