Es
ist eine interessante Allianz, die sich vor wenigen Tagen zu einem
Gastbeitrag im Handelsblatt zusammengefunden hat: Frank Schäffler, der
Euro-Dissident der FDP und Richard Sulik, der ehemalige
Parlamentspräsident der Slowakei. Er und seine Partei waren es, die mit
ihrem Nein zur Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF im vergangenen
Herbst die EU-Regierungschefs gehörig ins Schwitzen brachten. Damals sah
es für wenige Tage so aus, als könne die Lawine immer höherer
Rettungsgelder ausgerechnet von der kleinen Slowakei gebremst werden.
Das
Ende vom Lied ist bekannt. Sulik trat letztlich zurück, die Slowakei
stimmte doch noch zu und gut ein halbes Jahr später sind die Probleme
nicht geringer geworden, lediglich die Summen, die im Feuer stehen, sind
deutlich größer.
Nun also zeigen Sulik und Schäffler in
einfachen Worten auf, was Europa von der Slowakei lernen kann. Ihre
Kernbotschaft ist von Politikern selten zu hören und wird dadurch umso
wertvoller. Sie lautet: Der Staat kann nicht mit Geld umgehen. Vieles,
was sich hinter Begriffen wie Sparpaket, Wachstumpakt oder Marshallplan
versteckt, ist nichts anderes als der Versuch, über Steuererhöhungen und
über zusätzliche Verschuldung Geld umzuverteilen: Von privaten
Einkommen in den öffentlichen Sektor.
Aber der Staat hat in der
Vergangenheit schon unzählige Male bewiesen, dass er nicht mit Geld
umgehen kann. Weder als Unternehmer – die Beteiligung Baden-Württembergs
am Energieversorger EnBW kurz vor der Energiewende ist nur ein Beispiel
in einer langen unheilvollen Liste – noch als Ankurbeler der
Konjunktur. „Privatinvestitionen erfolgen gerade deshalb nicht, weil sie
keine Rendite abwerfen“, so Schäffler und Sulik. „Was Privatinvestoren
nicht schaffen, kann der Staat auch nicht besser.“
Interessant
ist, dass die Slowaken einen anderen Weg gegangen sind. Sie haben ihre
Sozialpolitik entschlackt, den Arbeitsmarkt reformiert und die
Alterssicherung auf eine private Säule gestellt. Die Besteuerung erfolgt
über eine sogenannte Flat-Tax von 19 Prozent. Etliche dieser Maßnahmen
waren für die Slowaken weder einfach noch schmerzlos. Umso
bemerkenswerter ist, dass sie von der Bevölkerung mitgetragen wurden,
ohne dass die politisch Verantwortlichen in die Wüste geschickt wurden.
Im Ergebnis steht die Slowakei heute deutlich besser da als viele andere
EU-Länder. Die Staatsverschuldung liegt bei nur knapp über 40 Prozent
des BIP, obwohl in den Krisenjahren 2009 und 2010 erhebliche
Haushaltsdefizite. Die Wirtschaft ist nach einem Rückschlag in 2009 in
den vergangenen beiden Jahren wieder deutlich gewachsen.
Aus
diesen Erfahrungen leiten Schäffler und Sulik drei Ratschläge ab, die
ihrer Meinung nach die Voraussetzung für ein marktwirtschaftliches und
dadurch wachstumsstärkeres Europa sind.
1. Wirtschaftliche Eigenverantwortung statt europäischer Umverteilung, denn Umverteilung verhindert Reformen.
2.
Europäischer Steuerwettbewerb statt harmonisierter Steuern: Dadurch
soll der ausufernde Zugriff des Staates ins Private gestoppt werden.
3.
Das Verlustprinzip der Marktwirtschaft: Das bedeutet das Ende (oder
zumindest eine massive Reduzierung) der Rettungsschirme für Banken und
Staaten. Wer pleite ist, soll pleite gehen dürfen.
So klar und
nachvollziehbar diese drei Punkte auch erscheinen – in der politischen
Praxis sind wir leider meilenweit entfernt. Ganz im Gegenteil: Die
Weichen sind immer stärker auf Transferzahlungen, finanzielle Repression
der Bürger und europäischen Zentralismus gestellt.
Über den Autor: Roland Klaus
Roland Klaus, Freier Finanzjournalist und Analyst
Roland Klaus arbeitet erfolgreich als freier Journalist und Analyst. Darüber hinaus agiert er als Investor.

