Bild: thinkstockWenn die Küche überschwemmt ist, weil ein Rohr verstopft ist oder aus der Dusche nur noch eiskaltes Wasser kommt, weil der Durchlauferhitzer defekt ist, dann muss meist schnell Hilfe kommen. Ein Notdienst ist in solchen Fällen oft die einzige Lösung. Denn der rückt auch nach Geschäftsschluss, am Wochenende und manchmal sogar nachts aus. Doch leider finden sich unter den Notdiensten auch viele schwarze Schafe. Die nutzen die Zwangslage der Kunden aus und zocken ab. Der Yahoo!-Verbrauchercheck gibt Tipps, wie Sie sich vor unseriösen Firmen schützen können.
Sonntagabend, 23 Uhr: Nur noch schnell den Müll runter bringen und dann ab ins Bett. Auf dem Rückweg zur Wohnung stellen Sie voller Schrecken fest, dass Sie den Schlüssel vergessen haben. Der steckt von Innen in der Wohnungstür. Aber zum Glück gibt es ja Notdienste! Nur eine Stunde später ist die Tür geöffnet, aber die Präsentation der Rechnung bringt den nächsten großen Schrecken: 350 Euro verlangt der Schlüsselexperte dafür, dass er mit einem Spezialwerkzeug ihre Tür in fünf Sekunden geöffnet hat.
Selbstverständlich gibt es Preisunterschiede bei den Notdiensten. Und ein Dienst, der mitten in der Nacht ausrückt, darf auch entsprechend hohe Zuschläge verlangen. „Nachts darf ein Notdienst bis zu 100 Prozent Zuschlag verlangen. Deshalb raten wir, schon vorher am Telefon nach zu fragen, was es kostet. Schildern Sie Ihren Fall ganz genau und erfragen Sie auch die Fahrtkosten. Am besten ist es, wenn Sie vorher einen Festpreis abmachen", so Carolin Semmler, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, gegenüber Yahoo! Finanzen.
Mehrere Angebote einholen
Auch in einer Notsituation sollten Sie Ruhe bewahren. Suchen Sie sich Notdienste heraus, die sich möglichst in Ihrer Nähe befinden, das hält die Anfahrtskosten gering. Haben Sie einen Festpreis bei einem Unternehmen erfragt, spricht natürlich auch nichts dagegen, noch zwei weitere anzurufen, um die Angebote miteinander vergleichen zu können. Ist der Schlüsseldienst angerückt und will übertriebene Arbeiten ausführen, zum Beispiel bei einer nur zugezogenen, nicht abgeschlossenen Tür gleich ein neues Schloss einbauen, müssen Sie das natürlich nicht einfach hinnehmen.
Eine nicht verschlossene Tür kann ein Fachmann in der Regel mühelos öffnen - ohne die Tür zu beschädigen oder ein Schloss auszubauen. Sollte der gerufene Schlüsselnotdienst das nicht können, müssen Sie ihn laut Verbraucherzentrale auch nicht bezahlen, da er nicht in der Lage war, seinen Auftrag entsprechend zu erledigen. „Man muss nur dann bezahlen, wenn er seine Arbeit macht. Allerdings kann man als Laie ja auch nicht immer beurteilen, was notwendig ist. Bitten Sie dann darum, den Auftrag auf die kostengünstigste Weise zu erledigen", rät Rechtsexpertin Carolin Semmler.
Die Tricks der Notdienste
Bei der Verbraucherzentrale mehren sich die Beschwerden über unseriöse Elektronotdienste. Zum Beispiel habe ein Unternehmen im Kleingedruckten folgende Bestimmung untergebracht: „Kann die Störung aus Gründen der Sicherheit nicht oder nur provisorisch behoben werden, wird der Einsatz dennoch voll berechnet." Der Fall landete vor Gericht, mit dem Ergebnis, dass Kunden sich so etwas nicht bieten lassen müssen.
Aber wie kann man feststellen, ob eine Reparatur nur provisorisch oder korrekt ausgeführt wurde? „Wenn der Fachmann nichts sagt, ist davon auszugehen, dass die Störung behoben wurde. Geht das gleiche Bauteil wieder kaputt, greift das Gewährleistungsrecht. Danach besteht zwei Jahre Anspruch auf eine kostenlose erneute Reparatur", so Rechtsanwältin Semmler gegenüber Yahoo! Finanzen.
Der Trick mit dem Branchenbuch
Wie bei allen Notdiensten, sollten Sie sich auch im Elektrobereich Unternehmen in Ihrer Nähe heraus suchen, um Anfahrtskosten zu sparen. Aber was, wenn im Branchenbuch nur die Adresse des Büros der Auftragsannahme eingetragen ist, der Dienst selbst aber aus der Ferne anrückt und dann entsprechend höhere Fahrtkosten verlangt? Auch dieser Fall landete laut Verbraucherzentrale vor Gericht. Das Urteil: „Wer unter der örtlichen Fernsprechnummer den Notdienst anwählt und erreicht, darf auch davon ausgehen, dass sich die Monteure am Ort befinden." Demnach müssen Sie als Kunde natürlich auch keine höheren Kosten bezahlen.
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Es kommt auch immer wieder vor, dass Festpreise zum Nachteil der Kunden ausgenutzt werden, warnen die Verbraucherexperten. So habe ein solcher Notdienst vor der Reparatur eines defekten Durchlauferhitzers ein Formular unterschreiben lassen, wonach der Kunde etwa 120 Euro für die Reparatur zahlen sollte. Die Arbeit habe dann ganze 30 Minuten gedauert. Das Amtsgericht Duisburg dazu: „Der Preis steht in auffälligem Missverhältnis zu der Leistung." Die Festpreisvereinbarung war damit sittenwidrig und nichtig.
Passen Sie auf, wie die Reparatur ausgeführt wird
Wichtig ist es auch, dass Sie aufpassen, was der Monteur vor Ort macht und welche Geräte er für die Reparatur einsetzt. Denn laut Verbraucherzentrale kommt es immer wieder vor, dass zum Beispiel auf Rechnungen von Rohrreinigungsfirmen Spezialwerkzeuge oder besondere Gerätewagen berechnet werden, die gar nicht zum Einsatz kamen. Meist wollen Notdienste auch direkt vor Ort bezahlt werden. Das sollten Sie jedoch nicht tun, wenn Sie unsicher sind, was die Höhe der Rechnung angeht. „Wenn der Fachmann die Rechnung präsentiert und die kommt einem zu hoch vor, dann zahlen Sie am besten nur einen Teil unter Vorbehalt und sagen, dass Sie die Rechnung erst prüfen möchten und den Rest dann überweisen", so Rechtsanwältin Carolin Semmler.
Hier werden Sie beraten
Rechtsberatung finden Sie bei Ihrer örtlichen Verbraucherzentrale. Die Kosten dafür sind je nach Bundesland unterschiedlich. Ein erstes Beratungsgespräch erhalten Sie jedoch schon unter zehn Euro. Wichtig ist es, dass Sie alle Unterlagen mitbringen und den Vorgang möglichst genau schildern, damit die Experten Ihren Fall überprüfen können. Die genauen Kosten sowie die Auflistung der örtlichen Beratungsstellen finden Sie im Interangebot der jeweiligen Verbraucherzentralen.
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